Tipps zur Handwerkerrechnung

Als Verbraucher möchten Sie wissen, welche Positionen Handwerker für Ihre Einsätze berechnen dürfen. Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Leitfaden an die Hand geben, der Ihnen die verschiedenen Positionen einer Handwerkerrechnung erklärt.

Als Kunde fragen Sie sich, warum Sie für 15 Minuten Arbeit 45 bis 60 Minuten Arbeitszeit zahlen sollen? Es wird hierbei häufig übersehen, dass der Monteur ja zu Ihnen gekommen ist. Für Mitarbeiter des Handwerksbetriebs ist es Arbeitszeit, die Ihm vergütet werden muss. Diese Fahrzeit/Arbeitszeit darf der Betrieb weiter berechnen, da die Fahrt auf Veranlassung und Bestellung des Kunden erfolgt (siehe Urteil des BGH vom 19.11.91, AZ X ZR 63/30). In einem Gerichtsurteil hat der Europäische Gerichtshof im September 2015 klargestellt, dass Anfahrtszeiten zum Kunden, auch wenn er direkt mit dem Firmenfahrzeug von seinem Zuhause zum Einsatzort fährt, für den Mitarbeiter als Arbeitszeit gerechnet werden muss (EuGH-Urteil vom 10.09.15, AZ. C-266/14). Nach Empfehlungen von Handwerkskammern und Gutachtern sollten Fahrzeit und „echte“ Arbeitszeiten (z.B. Montagezeiten) auf der Rechnung getrennt ausgewiesen werden (siehe z.B. das Buch „Der Handwerker kommt“, von der Handwerkskammer Düsseldorf). Zuschläge sind nur auf die Arbeitskosten zu zahlen! Tipp: Sie sollten darauf achten, das der Zuschlag nur auf die Kundendienstmonteurkosten berechnet wird. Es ist nicht zulässig, auf die gesamte Rechnung einen Zuschlag zu erheben.

Häufig erscheint auf Handwerkerrechnungen die Position „Rüstzeiten“. Damit ist der Arbeitsaufwand gemeint, der bei der Beladung und Vorbereitung des Kundendienstfahrzeuges entsteht. Die Handwerkskammer Düsseldorf ist der Meinung, dass diese Kosten in Rechnung gestellt werden können, da die hier anfallenden Monteurstunden auch vom Unternehmer bezahlt werden müssen (Quelle „Der Handwerker kommt“). Wenn beispielsweise der Handwerker erst nach Auftragserteilung sein Fahrzeug mit speziellen Werkzeugen und den anderen notwendigen Materialien belädt und andere Vorbereitungen treffen muss (z.B. die Adresse in das Navigationsgerät eingeben), ist dieser zeitliche Aufwand vom Kunden zu tragen. In diesem Zusammenhang sind auch einige Urteile ergangen. So am Oberlandesgericht Stuttgart am 02.11.1990 (Az.2 U 271/89). Die Richter haben eine Klausel im Kleingedruckten eines Handwerksunternehmens akzeptiert, in der von einem gesonderten Posten „Rüst- und Fahrzeit“ die Rede war. Das Kammergericht Berlin hat am 02.12.1992 di in Auftragsformularen eines Kundendienstbetriebs enthaltene Klausel „Für jeden Reparaturauftrag wird eine Rüstzeit von zwei Arbeitswerten“ berechnet in einem Prozess akzeptiert. (Az. 23 U 2465/92)

Viele Handwerker lassen ihre Fahrzeuge aus versicherungsrechtlichen Gründen nie im voll beladenen Zustand, denn teures Spezialwerkzeug ist für Diebe ein lohnendes Ziel und Versicherungen ersetzen in der Regel nicht den Diebstahl von Materialien aus dem Kundendienstfahrzeug. Spezialwerkzeuge Häufig ist der Einsatz von teuren Spezialwerkzeugen oder -maschinen erforderlich. Diese unterliegen einem verschleiß und müssen regelmäßig gewartet und instandgesetzt werden, dies ist natürlich mit Kosten verbunden. Dies fließt in die Kalkulation ein und wird dem Kunden berechnet. Da die Verwendung von Spezialwerkzeug im Einzelfall unterschiedlich ausfallen kann, ist es nicht möglich, diese Kosten in einem Pauschalpreis mit einzubeziehen. Das wäre dann zum Nachteil aller Kunden, die diese Werkzeuge mitbezahlen müssten, obwohl diese für den jeweiligen Auftrag nicht benötigt werden. Daher wird nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet. KFZ-Pauschale PKW-Kosten berechnen sich nach Fahrtzonen und beinhalten eine Umlage für die Anschaffungs- Verbrauchs- und Unterhaltungskosten ebenso wie für die Rüstzeiten des Fahrzeugs. Die Unterhaltungskosten haben nichts, mit der Fahrzeit der Monteure zu tun.

Wir sind der Meinung, dass ratsuchende Bürger von einigen Verbraucherzentralen – oft mangels Kenntnissen – nicht immer korrekt beraten werden. Es wird häufig behauptet, dass die erbrachten Handwerksleistungen überteuert sein können. Da Verbraucherzentralen in der Regel nicht über das technische Wissen verfügen und meist aus Kostengründen nicht die technischen Gegebenheiten beim Kunden mit einem Sachverständigen in Augenschein nehmen, kann ein solches Beratungsgespräch dann zu einer Fehleinschätzung des Kunden führen. Dieser meint, er sei im Recht und beschreitet den Klageweg. Solch ein Verfahren ist dann mitunter von vornherein aussichtslos, kostet viel Geld und erzeugt Ärger. Kommt es zu einer Beweisaufnahme mit einem Gutachter und Zeugen, kann das schnell zu einem finanziellen Fiasko werden. 2.000,- € und mehr können dann fällig werden. Das Prozess- und damit verbundene hohe Kostenrisiko verbleibt in der Regel beim Kunden.

Die für uns zuständige Handwerkskammer Kassel bietet bei Problemen und Streitigkeiten eine Schlichtungsstelle an. Das Schlichtungsverfahren muss schriftlich beantragt werden. Zur Deckung der Auslagen wird eine Gebühr von 20 Euro berechnet. Die Kosten für Ortstermine und Sachverständigengutachten werden ggf. zusätzlich erhoben. Die eigenen Auslagen hat jede Partei selbst zu tragen. Hier finden Sie die Schlichtungsstelle der Handwerkskammer Kassel: www. hwk-kassel.de/betriebsfuehrung/recht/schlichtungsstelle Mehr zu dem Thema finden Sie in dem Buch: „Der Handwerker kommt! Praxisorientierte Informationen für Verbraucher und Handwerker rund um den Auftrag und Rechnung“ Autoren: Franz Klein und Manfred Steinritz ISBN 978-3-7783-0656-7 128 Seiten